Überlebter Suizid

BITTE ZUERST LESEN: Dieser Text ist unzensiert, relativ bedrückend und direkt. Es steht wenig Positives über das Leben darin. Es sollte daher dringenst abgeraten werden, diesen Text zu lesen, wenn man nicht in einer guten Verfassung ist. Es sind die Gedanken von einer Person, welche einen Suizid (seiner Meinung nach leider) überlebte.

Missglückter Abschied und das Leben danach.

Ich frage mich, wo ich am besten Anfangen soll und danach, wie ich das ganze endlich beenden soll. Dies hier soll eine Warnung an alle sein. An jeden von Euch soll sie sich richten, es richtig zu tun und ES zu Ende zu bringen. Aber fangen wir doch am besten von vorne an... an diesem Abend, als ich meinen missglückten Selbstmordversuch unternahm... als ich alles verlor und noch mehr.

Damals, es war an einem Mittwochabend. Am nächsten Tag hätte ich Schule gehabt, aber das war mir alles egal. Viel hat es gebraucht um mich zu diesem Entscheid zu bringen. Viel Negatives, wenig Positives... zuviel für mich... dieser Mittwoch war etwas besonderes. Am Morgen als ich Aufstand wusste ich es. Keine grosse Planung, kein angekreuztes Datum, kein Vorhaben... und doch... als ich diesen Mittwoch aufstand, wusste ich gleich in meinem tiefsten Inneren, dass ich heute gehen würde. Das ich sterben und alles hinter mir lassen würde. Ich hatte keine Angst, ich war auch nicht aufgeregt oder traurig. Es war eine Innere Ruhe an diesem Tag in mir. Ich denke es war wohl einer der schönsten Tage die ich je in meinem beschissenen Leben hatte.. Wahrlich, ein Tag der nie zu Ende hätte gehen sollen! Der Mittwoch zog sich so dahin: ich ging arbeiten und tat nichts dergleichen... im Hinterkopf jedoch jubelte ich und dachte bei jedem Idioten den ich traf... nur noch heute du Arsch.. .dann bin ich weg! Ich arbeitete und tat so wie immer, als o b ich die Arbeit morgen weitermachen würde etc. Haha, was für Idioten. Meine Laune stieg je näher der Abend kam.

Also ich endlich zuhause im Elternhaus war, zog ich mich wie immer in mein Zimmer zurück vor den Computer... ich stopfte mir auch wie immer mein Essen dort hinein. Doch etwas schien doch von meiner guter Laune durchzuschimmern. Als meine Mutter mir das Essen brachte, fragt sie nebenbei, was los sei, ich sei irgendwie so gut drauf. Ich tat nichts dergleichen. Ich traf meine Freunde im Online-Spiel Meridian 59 und spielte noch ein bisschen... kurz bevor ich mich um 20.00 Uhr ausloggte und ihnen sagte, ich wolle sie noch gegen 22.30 im Chat sehen. Mittlerweile empfand ich den Drang, etwas zu trinken... gleichzeitig holte ich noch 3 Trinkgläser und stellte sie auf meinen Drucker. Kurze Zeit später blickten noch meine Eltern ins Zimmer rein um mir gute Nacht zu wünschen. Dabei Fragte meine Mutter, was die 3 Gläser auf dem Drucker zu bedeuten hätten. Ich behauptete mit innerlichem Wohlgefühl, dass diese zur Befestigung des Deckels seien, da dieser lottere. Die Eltern kauften mir das ab wie alles andere das ich ihnen je vorgab und verliessen das Zimmer.

Meine Laune näherte sich dem Höhepunkt. Ich fühlte mich grossartig. Um 22.30 loggte ich mich dann in den Chat ein und traf meine 3 engsten Freunde... ich sprach mit ihnen, was für eine schöne Zeit wir hatten, und dass ich sie nie vergessen würde. Sie ahnten aber wohl was... ich spürte es aus dem Gespräch heraus und sie wussten auch über meine Traurigkeit... Sie waren die Einzigen, welche wussten was in mir vorging. Während des Chats schlich ich ins Wohnzimmer zur Hausbar und zog geräuschlos eine Flasche Martini heraus. Dann schlich ich wieder in mein Zimmer... Wärend ich ein paar Sätze schrieb, holte ich aus meinem Geheimversteck am Pult einige Tabletten hervor, die ich im laufe der Zeit unbemerkt von den Eltern gemopst hatte. Schmerztabletten, Schlaftabletten. Während ich sie so durchzählte und sortierte füllte ich alle Gläser mit den Martini heraus. Die drei Gläser hatten damals auch eine Bedeutung für mich: Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft.

Die Vergangenheit liess ich Martini sein, nichts hilft besser zu Vergessen als Alkohol.

Die Gegenwart wurde mit den Schmerzmitteln vermischt, dammit ich endlich die Schmerzen in meinem Herzen loswerden würde.

Für die Zukunft wurden die Schlaftabletten bereitgestellt, damit ich in meine Träume fliehen werde, in welchen ich immer Trost fand.

Tja, dann war es so weit... der Zeitpunkt war gekommen, der Zeitpunkt den ich seit Morgenfrüh engegengefiebert hatte, der meine Laune stiegen liess und diesen Tag zum schönsten Tag in meinem Leben erkoren lies.

Ich prostete mit meinen Kollegen im Netz an und loggte mich dann aus. Sie wussten es wahrscheinlich tief drin im Herzen, was geschehen würde... sie wussten zwar nichts von meinem Versuch, doch sie merkten im Chat, dass etwas anders als sonst war... nicht das depressive wie sonst... sondern etwas tieferes. Eigentlich wollten sie mich davon abhalten, auszologgen. Doch es war zu spät.

Bevor ich endgültig den Computer ausschaltete druckte ich noch meinen vorgefertigten Abschiedsbrief aus dem System aus. Er betrug etwas 2 A4 Seiten indem ich mich bei allen entschuldigte mit meinen Gründen etc.

Als ich alle Gläser geleert hatte, schaltete ich den Computer aus und wusste, ab jetzt gibt es kein zurück mehr... die Zeit arbeitet jetzt für mich... Scheisse!!! SCHEISS AUF ALLES!!!! SCHEISS AUF DIE GANZE WELT!!! Ihr könnt ich alle mal! Innerlich sagte ich jedem meine Meinung. Langsam wurde ich müde und ich legte mich hin. Ich zog mit die Kopfhörer über die Ohren und schaltete das Licht aus.

Ich hörte mein Lieblingslied... irgendwas klassisches was ihr eh nicht kennen würdet... wem es trotzdem Wunder nimmt: Lied REI I von Evangelion. Während ich so die Musik hörte liefen mir die Tränen aus dem Gesicht. Soweit hat es also kommen müssen. Tja... es tat mir schrecklich Leid für die Anderen... aber es war das Beste... ich wusste nicht ob ich vor Freude weinte oder aus Trauer... meine ganzen Gefühle kamen hoch, meine ganze Trauer brach hervor... die letzte aller Tränen beinhaltete all mein Leid... plötzlich war sie weg und ich schlief glücklich ein in meine Träume... abgeschlossen mit mir und allem was es gab.

In dieser Nacht verlor ich etwas... nicht nur etwas... ich verlor alles. Ich überlebte... aber das ganze TAMMTAMM darum will ich hier nicht benennen... Nennt es einfach ein scheiss Unglück... ich hatte auch keine Nahtoderfahrung oder sowas HA! aber ich lass es hier mal so stehen, denn ich will hier nicht meine Lebensgeschichte aufschreiben sondern eher eine Warnung, von denen hier einige zum ersten mal hören werden. Viele haben die Angst darüber zu schreiben, auch ich brauchte sehr viel Zeit um dies zu schreiben. Anfangs war ich mir nicht sicher, doch mit der Zeit kam die grausame Erkenntnis immer deutlicher... wovon ich rede? Nun denn...

Also ich aufwachte fühlte ich mich Glücklich... als ob ich aus einem schönen Traum gerissen wurde oder an einem schönen Ort war. Ich fühlte mich Erfüllt, mit allem Abgeschlossen und ohne Probleme... erst später mit der Zeit merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Etwas war anders als sonst... total anderst...

Ich kannte es, zu lachen ohne jegliche Motivation,
ich kannte es, gleichgültig zu sein,
ich kannte es, in die Leere zu fallen...
doch begleitete mich bei all diesen Phasen etwas, das plötzlich nicht mehr da zu sein schien. Egal wie Einsam ich mich fühlte, ich hatte MICH... Egal wie traurig ich war, ich hatte MICH, egal was war... ich war immer da. Doch wo war ich nun? Wo war die innere tröstende Stimme...

Seelenlos, was für ein Begriff... nun, Viele würden sagen ich übertreibe jetzt masslos... aber ich habe seit meinen Suizidversuch mich Selbst verloren, einen Teil von mir welcher nie wieder zurückkommen wird. Etwas blieb an dem Ort wo ich hin ging.

Mein tiefstes Ich... verschwunden.

Seit jeher wandle ich mit grosser Qual durch die Welt. Ich habe überlebt, doch für was einen Preis? Ich mache mir oft Gedanken darüber, dass es Früher rnicht so schlimm gewesen war wie heute... selbst als alles verloren zu sein schien, war dies vor meinem Versuch angenehmer als jetzt.

Ich bin ein Mensch ohne Geist. Ich hoffe, dass dieser Teil den ich damals verloren habe, irgendwo auf mich wartet. Hoffnung ist das einzige was mir bleibt.

Doch in dieser Welt werde ich es nie wieder finden, was ich verloren habe. Auf immerdar ist es verschwunden.

Früher konnte ich in meinem Träumen Trost finden, heute finde ich selbst hier keine Zuflucht mehr. Ohne mein ICH zerfällt alles in mir. Ich sieche dahin und nichts kann ich dagegen tun als nur noch zu wimmern und zu weinen... Ich finde nirgends mehr Trost, meine Träume, sie waren mein ein und alles. Heute will ich gar nicht mehr schlafen gehen. Wozu auch, ich wache oft schweissgebadet auf. Meine Leere füllt sich langsam mit Hass... Hass auf mich, Hass auf das was geschehen musste, Hass auf all die Menschen die langsam in meinen Augen schuld daran sind, was passiert ist. Sie sollen büssen für mein Leid... Ich möchte Aufschreien. Ich will Rache. Doch ist es wirklich Rache was ich will? Ich will nur eins... mein Ich zurück.

Ich stehe oft kurz davor mein Umwelt in das Verderben zu führen... meine Rache hemmungslos walten zu lassen und es allen heimzuzahlen, selbst die, welche nichts dafür konnten... und doch... alles Egoisten... die ganze Menschheit hat es verdient zu bluten...

Und doch...

Einen Trost hab ich doch... genau in diesem Momenten, wenn mein Hass überhand gewinnt... wenn ich nur noch meinen Frust lauf lassen will... meine Seele befreit werden will... genau in diesem Momenten hält mich etwas zurück...

Ich spüren etwas warmes... etwas vertrauters... ich habe zwar noch den Schmerz und den Frust dieser Welt... aber genau in diesen Moment kommt es zurück... wenn auch nur für einen kleinen Augenblick... In diesem Moment finde ich wieder mich selbst... und ich sage mir: sind sie es wert? Dann bist du nicht besser als sie!

Genau in diesem Moment fange ich an zu weinen... und es ist wie damals als ich im Bett lag und einschlief... ich kann mich nicht entscheiden ob es Freudentränen oder Tränen der Trauer sind.

und dann bin ich wieder allein...

Was ich mit meiner Geschichte hier sagen will? Ich weiss es nicht... Ich hatte das Bedürfnis sie aufzuschreiben... purer Egoismus vielleicht... und doch... während ich dies Schreibe ist ein kleiner Teil von mir den ich damals verloren habe bei mir und in diesem Text. Jedesmal wenn ich mich einsam fühle und ihn durchlese, spüre ich wieder kurz die Gegenwart von mir selbst.

Ich werde wohl für den Rest meines beschissenen Lebens alleine sein... aber langsam weiss ich, dass ich wieder zu mir finden werden... zumindest nach meinem Tod. lange bin ich nicht mehr hier... wie lange noch steht in den Sternen. Vielleicht wache ich eines Tages wie damals am Mittwochmorgen wieder auf und weiss, dass es soweit ist...

"Text von Snowhawk"